Mit Elli unterwegs: Unserem Strom auf der Spur

Ihr kennt das ja alle: Ein Klick auf die Fernbedienung oder ein Druck auf den Schalter und schon läuft der Fernseher, der Föhn, oder der Mixer – sofern der Stecker in der Steckdose steckt. Das ist für uns alle so selbstverständlich, dass wir uns normalerweise keine großen Gedanken darüber machen.

Doch alle genannten Geräte brauchen Strom – und ebenso der Kühlschrank, der Elektroherd, die Waschmaschine und viele weitere. Wo kommt dieser Strom eigentlich her? Und wie kommt er daheim ins Haus und dann bis in die Steckdose. Wer also sorgt in Dormagen dafür, dass bei uns alles unter Strom steht?

Um das herauszufinden, habe ich mich bei unserem örtlichen Stromversorger der evd energieversorgung dormagen mit Bernd Pesch verabredet. Er ist Elektrotechniker/Meister im Bereich der Netzplanung. Er hat mir die Welt des Stroms gezeigt. Wenn ich heute einen Schalter betätige, weiß ich, dass der Strom bis in mein Zimmer etliche Stationen zurücklegen musste. Und ich denke an Herrn Pesch und seine Mitarbeiter, die rund um die Uhr dafür sorgen, dass das Stromnetz für Dormagen funktioniert.

Bernd Pesch an einer Umspannanlage in Dormagen
Bernd Pesch an einer Umspannanlage in Dormagen.

Wie entsteht eigentlich Strom?

Die Erzeugung von elektrischem Strom gehört zu einem sehr geheimnisvollen Bereich der Technik, weil sich die Vorgänge in einem winzig kleinen Bereich abspielen.
90 Prozent des Stroms, den wir um Haushalt verbrauchen, wird aus Bewegungsenergie erzeugt. Hier gibt es auch ein Beispiel aus dem Alltag. Wenn man abends mit dem Fahrrad fährt, kann man über einen kleinen Dynamo Strom für die Fahrradlampe gewinnen. Die Bewegungsenergie des drehenden Rades wird durch den Dynamo in elektrischen Strom umgewandelt.
In einem modernen Kraftwerk passiert nichts anderes, ganz gleich ob es sich um ein Kohlekraftwerk, ein Atomkraftwerk, ein Windrad oder ein Wasserkraftwerk handelt. Am Ende wird der elektrische Strom immer über eine drehende Turbine erzeugt.

Station 1: Hochspannungsmast

Strommast

Herr Pesch, warum haben Sie mich denn zu diesem Mast geführt? Ich habe mir ein großes Kraftwerk vorgestellt.

Das ist durchaus richtig gedacht. Doch in Dormagen haben wir kein Kraftwerk. Deshalb stehen wir hier vor dem Mast einer Hochspannungsleitung. Das sind Strom-Autobahnen. Damit bekommen wir den Strom von einem Stromerzeuger zugeleitet und verteilen ihn dann in Dormagen weiter. Der Strom, der hier ankommt, ist ein Mix. Er wird aus Kohle und Erdgas gewonnen und für eine sehr begrenzte Zeit auch noch aus Kernkraftwerken. Außerdem wird seit einigen Jahren immer mehr Strom mit Hilfe von Sonne, Wind und Wasserkraft produziert. Das nennt man „erneuerbare Energien“.

Jetzt zeige ich dir mal wo der Strom der hier ankommt hingeleitet wird!

Station 2: Netzleitstelle

Netzleitstelle

Hier sieht’s ja ziemlich kompliziert aus. 

Für jemanden, der sich auskennt, ist das alles ganz übersichtlich. Wir sind hier in der Netzleitstelle. Hier laufen alle Informationen zusammen. Die Mitarbeiter können zu jeder Sekunde sehen, was im Stromnetz Dormagen gerade läuft. Sie haben also immer den vollen Überblick.

Im Normalfall passiert hier nicht viel. Sollte es dann aber tatsächlich einmal eine Störung geben, wird die auf den Bildschirmen angezeigt und die Kollegen können sofort reagieren. Wenn ein Schaden aufgetreten ist, etwa durch einen Bagger, der ein Erdkabel verletzt hat, kann man den Weg des Stroms in vielen Fällen vorübergehend umlegen, damit es in den betroffenen Häusern oder Straßen keinen Stromausfall gibt.

Gleichzeitig wird dann von hier aus der Bereitschaftsdienst in Marsch gesetzt. In den meisten Fällen sind die Schäden dann schnell behoben. Die Netzleitstelle ermöglicht uns also, das Stromnetz ständig unter Kontrolle zu haben.

Und wie zuverlässig funktioniert das alles? Gibt es viele Stromausfälle?

Gott sei Dank kommt es sehr, sehr selten vor, dass bei uns einmal der Strom ausfällt. Wir haben eine enorm hohe Versorgungssicherheit. Darauf sind wir stolz, denn wir tun auch viel dafür.

Station 3: Umspannanlage

Umspannanlage Umspannanlage

Wo sind wir denn jetzt hier? Das sieht beeindruckend aus. Aber wenn ich anfangs richtig zugehört habe, ist das kein Kraftwerk.

Richtig. Kraftwerke sehen anders aus. Das sind richtig große Gebäudekomplexe.

Dies hier ist ein sogenanntes Umspannwerk. Davon haben wir in Dormagen drei: Am Silbersee, in Dormagen-Mitte vor dem Bayer-Werk und in Delhoven.

Hier kommt der Strom in Hochspannung an, ähnlich wie auf der Autobahn mit vollem Tempo. Er ist aber bildlich gesprochen noch viel zu stark, um in der Stadt verteilt zu werden. Dazu müssen wir ihn erst abschwächen, „verdünnen“ sozusagen.

Und genau das geschieht hier. Der Strom wird mit Hilfe von Trafos von einer Spannung von 110.000 Volt auf 10.000 Volt umgespannt. So kann er dann in der Stadt weiterverteilt werden. Wie, das werden wir gleich sehen. Hier wird also die Autobahn zur Bundesstraße mit Tempo 70.

Station 4: Ortsnetzstation

Ortsnetzstation Ortsnetzstation

Die Dinger kenne ich. Davon habe ich in Dormagen schon viele gesehen. Können wir da mal reingehen?

Auf keinen Fall! Das wäre viel zu gefährlich und außerdem sehr eng. Aber Du hast Recht. Von diesen Ortsnetzstationen haben wir viele, 342 um genau zu sein, verteilt über alle Ortsteile. In dicht bebauten Wohn- und Gewerbegebieten stehen davon gleich mehrere.

In den Ortsnetzstationen wird der Strom noch weiter abgeschwächt, auf haushaltsgerechte Steckdosen-Stärke. Aus 10.000 Volt werden nun 230 bis 400 Volt. So wird die Bundesstraße zur Ortsdurchfahrt mit Tempo 50.

Von hieraus fließt der Strom dann in Erdkabeln weiter zu den einzelnen Häusern. Diese Kabel liegen meistens unter dem Bürgersteig und zwar in etwa 60 Zentimeter Tiefe.

Station 5: Kabelverteilschränke

Kabelverteilschränke Kabelverteilschränke

Diese Kästen habe ich auch schon häufig gesehen. Oft sind die auch total verschmiert!

Ja das stimmt allerdings. Diese Kästen nennt man Verteilkästen. Von denen haben wir in Dormagen über 700 Stück. Hier werden die Kabel auf verschiedene Stränge aufgeteilt.

Um bei unserem Straßenbeispiel zu bleiben: Ab den Verteilkästen bleibt es bei der normalen Straße mit Tempo 50. Von Station zu Station ist der Strom also insgesamt schwächer geworden.

Station 6: Hausanschlusskasten, Zähler

Stromzähler Hausanschluss

Solch einen Kasten haben wir in unserem Keller auch. Kommt hier der Strom an?

Ja, hier kommt der Strom von der Straße ins Haus. Der eine Kasten ist der Hausanschlusskasten, das andere ist der Zähler. Der wird einmal im Jahr abgelesen, damit die evd ihren Kunden eine Stromrechnung schicken kann.

Bis an diese Stelle sind wir als Stromversorger zuständig. Ab hier ist die Verteilung innerhalb des Hauses Sache des Hauseigentümers. Der beauftragt einen Elektriker im Haus Kabel zu verlegen und Steckdosen zu installieren. Nur so können die Bewohner den Strom dann auch nutzen.

Wie viel Strom verbrauchen wir eigentlich ungefähr?

Eine vierköpfige Familie verbraucht etwa 3.500 bis 4.000 Kilowatt Stunden (kWh) im Jahr. Damit du dir besser vorstellen kannst, was das genau bedeutet und wo der Strom verbraucht wird, habe ich dir einige Beispiele mitgebracht. Ein Flachbild Fernseher benötigt etwa 150 kWh des Jahresverbrauchs. Kühl-/Gefriergeräte verbrauchen rund 750 kWh und damit die Familie zuhause warmes Wasser hat, sind etwa 525 kWh im Jahr nötig.

Über die Hälfte des Stromverbrauchs verwenden wir für das Kühlen und Einfrieren von Lebensmitteln, Kochen, Trocknen und Bügeln der Wäsche sowie die Bereitstellung von Warmwasser.

Vielen Dank, Herr Pesch. Das war spannend. Wenn ich in Zukunft eine Steckdose sehe, werde ich mich daran erinnern, dass der Strom einen langen Weg mit zahlreichen Stationen hinter sich hat.

Bubbles